Trauerredner oder Pfarrer - Gereon Rautenbach

Trauerredner oder Pfarrer – was passt zu Ihrer Trauerfeier?

Trauerredner oder Pfarrer? Wer hält die Rede? Wenn ein Mensch stirbt, stehen Angehörige plötzlich vor Entscheidungen, für die sie keine Zeit haben und die sie sich nie gewünscht haben zu treffen. Eine davon lautet: Wer hält die Rede bei der Trauerfeier?

Die Antwort hängt nicht davon ab, was üblich ist. Sie hängt davon ab, was Sie brauchen und was der Verstorbene gewollt hätte.

Ich begleite als Trauerredner Menschen seit 2019 durch Trauerfeiern, habe über 2.000 Abschiede gestaltet und war selbst Priester. Ich kenne beide Seiten.


Zuerst: Was wollte der Verstorbene?

Das ist die wichtigste Frage und sie steht vor allen anderen.

Hat der Verstorbene ausdrücklich eine kirchliche Beerdigung gewünscht oder auch ausdrücklich nicht gewünscht? War der Glaube ein zentraler Teil seines Lebens? Dann sollten Sie diesem Wunsch folgen. Das ist kein Punkt, den Angehörige gegen ihre eigenen Bedürfnisse abwägen sollten, es ist eine Form der letzten Ehrerbietung.

Ist dieser Wunsch nicht klar geäußert worden, stellt sich die Frage neu: Was brauchen Sie in Ihrer Trauer?


Was viele nicht wissen: „Den Pfarrer“ gibt es so oft nicht mehr

Wenn Angehörige sagen, sie möchten „den Pfarrer“, meinen sie meist: einen Menschen, der die Familie kennt, der Halt gibt, der vertraut ist. Das ist ein verständlicher Wunsch, aber heute in vielen Fällen eine Illusion.

Die kirchlichen Strukturen haben sich verändert. Pfarrgemeinden sind zu großen Seelsorgeeinheiten zusammengewachsen. Der Pfarrer kennt die wenigsten seiner Gemeindemitglieder noch persönlich. Bei einer Trauerfeier steht deshalb häufig nicht der Pfarrer am Pult, sondern ein Diakon, ein kirchlicher Mitarbeiter oder ein ehrenamtlich ausgebildeter Trauerbegleiter.

Das ist keine Kritik an diesen Menschen, aber es ist eine Realität, die Angehörige kennen sollten, bevor sie entscheiden.

Hinzu kommt: Im Erzbistum Köln und andernorts wird die Trauermesse (Exequien) zunehmend mit der regulären Gemeindemesse verknüpft, eine Folge des Priestermangels. Exequien und Beisetzung, die früher Hand in Hand gingen, werden heute häufig getrennt.

Ein kurzer Hinweis zur Begrifflichkeit: Trauerredner und freier Redner meinen dasselbe: einen konfessionsunabhängigen Redner, der außerhalb kirchlicher Strukturen arbeitet und keinem Rituale verpflichtet ist.


Was eine kirchliche Trauerfeier ausmacht – und was nicht

Die kirchliche Trauerfeier folgt einem festen Ablauf, festgelegt im kirchlichen Rituale, mit Unterschieden zwischen Sarg- und Urnenbestattung. Dieser Rahmen kann Halt geben. Rituale sind gerade in der Trauer ein Anker, wenn das Leben aus den Fugen geraten ist.

Was der Rahmen aber auch bedeutet: wenig Spielraum. Die Gestaltung liegt nicht bei den Angehörigen. In manchen Fällen gibt es kein Mitspracherecht.

Und: Im Mittelpunkt der kirchlichen Trauerfeier steht – theologisch korrekt und so in der Priesterausbildung gelehrt – nicht der Verstorbene, sondern die Glaubensverkündigung. Gott steht im Zentrum. Auch das ist keine Kritik, sondern ein Wesensunterschied, den Angehörige kennen sollten.


Was eine freie Trauerfeier ermöglicht

Bei einer freien Trauerfeier steht der Verstorbene im Mittelpunkt. Die Rede handelt von diesem Menschen, von seinem Leben, seinem Wesen, dem, was er hinterlässt.

Es gibt einen Rahmen, aber er ist flexibel. Elemente können hinzukommen oder wegfallen, ganz nach dem, was Ihnen und dem Verstorbenen wichtig war.

Das schließt religiöse Elemente ausdrücklich nicht aus. Ich frage in jedem Vorgespräch: Es handelt sich um eine freie Trauerfeier, trotzdem die Frage: Ist etwas gewünscht, wie zum Beispiel ein Vater Unser? Wer das möchte, bekommt es. Was in die Feier gehört, entscheiden Sie.

Der hauptberufliche Trauerredner macht genau das, und nur das. Er führt das Vorgespräch, schreibt die Rede, gestaltet die Feier mit der vollen Aufmerksamkeit, die dieser eine Abschied verdient.


Trauerredner oder Pfarrer – die ehrliche Antwort

Trauerredner oder Pfarrer, das ist keine Frage von richtig oder falsch. Es ist eine Frage von: Was passt zu diesem Menschen, der gestorben ist? Was brauche ich als Angehöriger in meiner Trauer?

Wer religiöse Rituale als Halt braucht, wer eine kirchliche Beerdigung dem Verstorbenen „schuldet“ oder wer den Glauben in den Mittelpunkt stellen möchte, der ist bei der Kirche richtig.

Wer einen Abschied möchte, der ganz von diesem einen Menschen erzählt, der flexibel gestaltet werden kann und der nicht an konfessionelle bzw. religiöse Vorgaben gebunden ist, der findet im Trauerredner den richtigen Begleiter.

Wenn Sie unsicher sind, nehmen Sie gerne Kontakt auf. Ich beantworte Ihre Fragen, unverbindlich und ohne Zeitdruck.



Gereon Rautenbach ist Trauerredner in Köln und begleitet seit 2019 Trauerfeiern in Köln, Leverkusen, Bergisch Gladbach, Dormagen und der gesamten Region. Er hat über 2.000 Abschiede gestaltet und war zuvor Priester im Erzbistum Köln.