Ablauf einer Trauerfeier – Was gehört dazu und wie wird sie gestaltet?
Viele Angehörige stehen zum ersten Mal vor der Aufgabe, eine Trauerfeier zu gestalten. Was gehört dazu? Was ist Pflicht, was ist möglich, was ist zu viel? Dieser Artikel gibt einen ehrlichen Überblick – aus der Praxis von über 2.000 Trauerfeiern.
Der Ablauf einer Trauerfeier
Eine freie Trauerfeier folgt keinem starren Drehbuch. Aber es gibt eine Struktur, die sich bewährt hat, weil sie Halt gibt, ohne einzuengen.
Erstes Musikstück Die Feier beginnt mit Musik. Die Angehörigen wählen das Stück aus, manchmal haben sie sich schon vor dem Vorgespräch Gedanken gemacht, manchmal besprechen wir es gemeinsam. Beides ist möglich, beides ist vollkommen legitim. Musik schafft vom ersten Moment an einen Raum, in dem Trauer ihren Platz hat.
Begrüßung und Einleitung Nach dem Musikstück begrüße ich die Anwesenden und leite die Feier ein. Ein kurzer Moment der Stille gehört dazu, ein bewusstes Innehalten, bevor die Worte beginnen.
Text, Gedicht oder Geschichte Dann folgt ein ausgewählter Text. Kein Standardgedicht von der Stange, sondern etwas, das zu diesem Menschen passt. Manchmal ergibt sich das aus einem Spruch auf der Trauerkarte, manchmal aus einem Moment im Vorgespräch, der mir einen bestimmten Text in den Sinn bringt. Diesen Text wähle ich nach dem Gespräch aus, es ist ein Teil meiner Vorbereitung.
Die Rede Das Herzstück der Feier. Die Rede handelt von diesem einen Menschen, von seinem Leben, seinem Wesen, dem, was er hinterlässt. Sie ist der längste und persönlichste Teil der Trauerfeier.
Zweites Musikstück Nach der Rede empfehle ich ein instrumentales Stück. Der Grund ist einfach: Nach einer persönlichen Rede brauchen Menschen einen Moment, um ihren eigenen Gedanken nachzugehen. Ein Lied mit Text zieht die Aufmerksamkeit auf sich, Instrumentalmusik lässt Raum. Es kann natürlich auch gute Gründe geben, ein Lied mit Gesang zu wählen. Nichts ist in Stein gemeißelt.
Optionale Elemente An dieser Stelle kann auf Wunsch ein Vater Unser eingebaut werden. Manche Familien wünschen sich das, anderen ist eine weltanschaulich neutrale Feier wichtig. Die Entscheidung liegt bei Ihnen.
Abschluss und Überleitung Ich schließe die Feier ab und leite über zur Beisetzung. Ein letztes Musikstück begleitet die Anwesenden hinaus. So wie die Feier mit Musik begann, endet sie auch mit Musik.
Drei Musikstücke sind ein guter Rahmen. Zwei können ebenso sinnvoll sein. Manche Familien wünschen sich nur ein einziges Stück, auch das ist möglich.
Am Grab Nach der Trauerfeier begleite ich die Anwesenden zum Grab. Dort spreche ich noch einige letzte Worte des Abschiedes. Der Sarg oder die Urne wird abgesenkt. Danach lade ich alle Anwesenden ein, selbst Abschied zu nehmen.
Wie lange dauert eine Trauerfeier?
Das hängt davon ab, was Sie sich wünschen und welchen Zeitrahmen die Trauerhalle vorgibt. In der Regel stehen zwischen dreißig zur Verfügung, man kann natürlich auch einen Doppeltermin auf dem jeweiligen Friedhof buchen, doch das ist normalerweise nicht nötig. Ein Doppeltermin kann bei mehreren Rednern sinnvoll sein. Sechzig Minuten klingen viel, sind es aber nicht, wenn man Musik, Rede, Texte und weitere Redner einplant.
Wenn mehrere Menschen sprechen möchten
Es ist schön, wenn weitere Menschen das Wort ergreifen möchten – ein Freund, ein Kollege, ein Familienmitglied. Das bereichert eine Trauerfeier.
Aber hier liegt eine der häufigsten Schwierigkeiten: Die Zeit wird unterschätzt.
Ich bitte darum, das klar im Vorfeld zu kommunizieren: Ein Redebeitrag von zwei bis fünf Minuten ist angemessen. Nicht weil die Person weniger wichtig wäre, sondern weil die Trauerfeier als Ganzes funktionieren muss. Musik, Rede, Text, weitere Redner: Das summiert sich schnell.
Ich habe erlebt, wie ein Redner fünfzehn Minuten gesprochen hat, obwohl fünf abgesprochen waren. Die Angehörigen haben es kaum bemerkt. Aber die anderen Redner, die danach kamen, haben den Preis dafür bezahlt. Einer von ihnen, ein erfahrener Profi aus dem Rundfunk, hat seinen Beitrag auf zwei Minuten gekürzt, weil er wusste, was die Stunde geschlagen hatte.
Zeit ist bei einer Trauerfeier nicht abstrakt. Sie ist ein Rahmen, der allen dient.
Was Sie frei entscheiden können
Eine freie Trauerfeier bedeutet echte Freiheit bei der Gestaltung. Was bleibt, ist immer Ihre Entscheidung:
- Welche Musik gespielt wird
- Ob religiöse Elemente wie das Vater Unser dabei sind
- Ob weitere Personen sprechen
- Wie persönlich und ausführlich die Feier sein soll
Ich bringe die Struktur und die Erfahrung. Sie bringen den Menschen, um den es geht.
Gereon Rautenbach ist Trauerredner in Köln und begleitet seit 2019 Trauerfeiern in Köln, Leverkusen, Bergisch Gladbach, Dormagen und der gesamten Region. Er hat über 2.000 Abschiede gestaltet und war zuvor Priester im Erzbistum Köln. Darüber hinaus coacht er Trauerredner und begleitet sie auf ihrem Weg in die freie Rednerschaft.
