Gereon Rautenbach, Trauerredner in Köln, im Gespräch mit Angehörigen

Wie läuft das Vorgespräch mit dem Trauerredner ab?

Sie haben einen Trauerredner beauftragt. Jetzt steht das Vorgespräch an und vielleicht fragen Sie sich: Was erwartet mich? Was soll ich sagen? Muss ich mich vorbereiten?

Diese Fragen höre ich oft. Und die Antwort ist einfacher, als viele denken.


Wo und wann findet das Vorgespräch mit dem Trauerredner statt?

Das Vorgespräch findet bei Ihnen zu Hause statt oder wo immer Sie wollen, also dort, wo Sie sich sicher fühlen und in Ruhe sprechen können. Es findet nach der Beauftragung statt, in der Regel in der Woche vor der Trauerfeier.

Wie lange es dauert, hängt vom Menschen ab, über den gesprochen wird und davon, wie viel es zu erzählen gibt. Die meisten Gespräche dauern zwischen dreißig und fünfundvierzig Minuten. Manchmal sind es auch nur zwanzig Minuten, manchmal eine Stunde. Das ist kein Problem. Es gibt kein Richtig oder Falsch.

Wer dabei ist, entscheiden Sie. Manche Auftraggeber kommen alleine, andere bringen Kinder, einen Freund oder eine Freundin mit. Ich passe mich der Situation an.


Müssen Sie sich vorbereiten?

Viele Angehörige fragen mich im Vorfeld, ob sie sich Notizen machen oder etwas aufschreiben sollen. Das ist gut gemeint, aber nicht nötig.

Ich habe meinen eigenen Fragenkatalog, den ich in über 2.000 Gesprächen entwickelt habe. Dieser Ablauf stellt sicher, dass wir alles Wesentliche besprechen, ohne dass Sie sich Gedanken machen müssen, ob Sie etwas vergessen.

Wenn Sie einen ausformulierten Text mitbringen, ist das kein Problem. Aber ich sage ehrlich: Es ist für mich einfacher, wenn Sie einfach erzählen. Denn wenn ich einen fertigen Text vor mir habe, besteht die Gefahr, dass ich Fragen nicht stelle, die ich sonst immer stelle, weil der Text mich in eine Richtung zieht und bestimmte Dinge als beantwortet erscheinen lässt, die es vielleicht gar nicht sind.

Ich schreibe auf, was ich höre – so wie ich es wahrnehme. Daraus entsteht eine Rede, die klingt wie dieser Mensch, nicht wie ein Lebenslauf.


Was beschäftigt Angehörige wirklich?

Die meisten Angehörigen haben eine stille Sorge, die sie selten direkt aussprechen: dass etwas Falsches gesagt wird.

Nicht falsch im Sinne von falsch, sondern falsch im Sinne von missverstanden. Trauerfeiern sind keine kleinen, privaten Momente. Dort sitzen Menschen mit unterschiedlichen Beziehungen zum Verstorbenen, unterschiedlichen Hintergründen, unterschiedlichen Empfindlichkeiten. Etwas, das liebevoll gemeint ist, kann von manchen Anwesenden falsch aufgenommen werden.

Das wissen Angehörige. Und deshalb haben sie Angst, mir im Gespräch zu viel zu erzählen.

Meine Bitte ist deshalb: Sagen Sie mir alles, was Sie mir sagen möchten – und sagen Sie mir auch, was nicht in die Rede darf. Ich gehe mit allem vertraulich um. Nichts, was im Vorgespräch gesagt wird, landet automatisch in der Rede. Sie haben jederzeit das letzte Wort.


Warum Offenheit so wichtig ist

Ich möchte Ihnen von einem Erlebnis erzählen, das ich nie vergessen werde.

Bei einer Trauerfeier hatte die Familie mir die Todesursache verschwiegen. Es wurde mir von einer Krankheit erzählt, tatsächlich war es ein Suizid. In meiner Vorbereitung suchte ich ein Gedicht heraus, in dem sinngemäß vorkam, dass der Verstorbene so gerne noch gelebt hätte.

Was ich nicht wusste: Ein Teil der Trauernden wusste, was wirklich passiert war. Im Raum entstand eine Unruhe, die ich nicht einordnen konnte. Erst danach, als der Bestatter mich fragte, ob ich es denn nicht gewusst habe, verstand ich.

Diese Situation war vermeidbar. Sie hat niemanden beschädigt, aber sie hätte der Trauerfeier beinahe die Würde genommen, die dieser Mensch verdient hätte.

Ich erzähle das nicht, um Druck zu machen. Sondern damit Sie verstehen: Je offener Sie im Vorgespräch sind, desto besser kann ich für Sie und für den Verstorbenen da sein.


Was ich wirklich erfahren möchte

Am Ende geht es im Vorgespräch um eine einzige Frage: Wer war dieser Mensch wirklich?

Nicht die Fakten, die Jahreszahlen, die Berufe, die Stationen. Sondern das, was dahinter steckt. Die Eigenheiten. Die Momente. Das, woran Sie ihn oder sie erkennen würden unter tausend anderen Menschen.

Das ist das Schwerste im Vorgespräch – für beide Seiten. Für Sie, weil Sie sich öffnen müssen in einem Moment, in dem alles wehtut. Für mich, weil ich den wahren Menschen hinter der Geschichte finden muss.

Aber genau das ist der Unterschied zwischen einer Rede, die tröstet, und einer, die nur informiert.



Gereon Rautenbach ist Trauerredner in Köln und begleitet seit 2019 Trauerfeiern in Köln, Leverkusen, Bergisch Gladbach, Dormagen und der gesamten Region. Er hat über 2.000 Abschiede gestaltet und war zuvor Priester im Erzbistum Köln. Darüber hinaus coacht er Trauerredner und begleitet sie auf ihrem Weg in die freie Rednerschaft.

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